Open Access am Zentrum

Hier möchten wir Ihnen eine kurze Zusammenfassung geben dessen, was Sie wissen sollten zum offenen Zugang zu Veröffentlichungen aus dem Zentrum. Allgemeinere Informationen zu Open Access werden hier gegeben.

Sind im Zentrum entstandene Arbeiten öffentlich zugänglich im Sinne von Open Access?

Sie sollten es sein seit Mitte 2006, als die Publikationsordnung entsprechend geändert worden ist, siehe auch die gültige Form. Seitdem sollten alle Veröffentlichungen aus dem Zentrum auf den Institutsserver eingestellt werden, sofern das die Lizenzvorschriften der Verlage erlauben. Wir beschreiten hier, wie in der Helmholtz-Gemeinschaft abgesprochen, den "grünen Weg" zu Open Access, d.h. den Zugang zu Veröffentlichungen über "Zweitveröffentlichungen" auf dem Institutsserver.

Im ersten Jahr der Änderung haben wir nur ca. 15% der Arbeiten aus dem HZB (damals HMI) öffentlich zugänglich machen, d.h. auf den Server ("repository") des HZB stellen können, und es ist seitdem nicht besser geworden. Aller Anfang ist schwer? Sie sagen es.

Sicher sind der Verlage die Haupt-Verhinderer beim Prozess des Open Access?

Nein, das stimmt nicht. Es gibt nur eine ganz kleine Zahl von Verlagen, die durch ihre Copyright-Vorschriften ein elektronisches Verbreiten von Journal-Artikeln durch Einstellen auf Institutsservern ausschließen. Die meisten Verlage lassen das zu, wenn ihre Copyright-Vorschriften beachtet werden!

Müssen sich denn Autoren mit dem Copyright auseinandersetzen?

Nein, und ein bisschen auch: Ja. Ja, denn die Autoren unterschreiben das Copyright. Sie sollten in groben Zügen verstehen, was sie da unterschreiben. In der Frage des Open Access aber ist im Zentrum festgelegt, dass die Bibliothek den Autoren das Prüfen der Copyright-Situation abnimmt. Gut für Sie! Aber Sie müssen doch eins tun: das unterschriebene Copyright aufheben und im Zweifelsfall der Bibliothek zustellen.

Es gibt doch Archiv-Server, wo Copyrights keine Rolle spielen. Warum ist das so?

Archiv-Server wie der von Los Alamos sind entstanden als ein innovativer, schneller Ersatz für das einst gebräuchliche Verschicken von Preprints. Sie werden in manchen Gemeinschaften rege genutzt. Sie erheben allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder darauf, dass die abgelegten Dokumente tatsächlichen Veröffentlichungen entsprechen. Copyright-Vorschriften von Verlagen gelten dort auch, wenn Material nach dem Unterzeichnen des Copyrights dort abgelegt wird.

Bei den großen Verlagen sollte doch alles über deren Copyright bekannt sein?

Ja, bei denen schon, obwohl sich das im Laufe der Zeit ändern kann. Ein größeres Problem beim Open Access stellen aber die Konferenzbeiträge dar, wenn Konferenz-Proceedings nicht als Zeitschriften-Sonderbände herausgegeben werden. Dann ist das Copyright völlig unklar. Das betrifft ca. 50% der Veröffentlichungen aus dem Zentrum und gerade solche Konferenzbände sind oft nicht leicht zugänglich.

Habe ich nicht mit der Abgabe von Belegexemplaren in PASTA alles getan?

Die Belegexemplare werden zumeist auf Papier in der Bibliothek abgegeben. Papier lässt sich nicht auf den Institutsserver legen.

Und wenn ich das Belegexemplar elektronisch abgebe?

Das Belegexemplar zeigt die Version, in der die Veröffentlichung tatsächlich statt gefunden hat. Zum Hochladen braucht es aber - mit Rücksicht auf das Copyright der meisten Verlage - oft eine elektronische (pdf) Version, die die Autoren selber besorgt haben. Diese Autorenversion soll natürlich inhaltsgleich sein mit der veröffentlichten Verlagsversion, darf aber, bei den meisten Verlagen, nicht genau die Verlagsversion sein.

Dann sind also die veröffentlichte Version und die Open Access Version verschieden?

Sie sind im Falle der meisten Veröffentlichungen im Layout verschieden, im Inhalt aber sollen sie deckungsgleich sein.

Und wenn die Autoren in den Proofs Änderungen anbringen, so dass sie keine Autoren-Version besitzen?

Bingo! Wenn Sie keine Autoren-Version besitzen, gibt es keine Möglichkeit des Open Access zu einer Autoren-Version. Sie (und wir) müssen dann auf diese nicht allzu häufigen Fälle verzichten. Wenn Sie aber Open Access unterstützen wollen, müssten Sie die Änderungen in den Proofs auch in das Ihnen vorliegende Manuskript und das davon abgeleitete Autoren-pdf einpflegen. Ob das Ihnen zu aufwendig ist, liegt bei Ihnen.

Mir ist das alles zu bürokratisch, geht es nicht einfacher?

Lassen Sie uns nachrechnen. Beim Unterschreiben des Copyright eine Kopie machen, macht 2 Minuten. Das aufheben und ggf. der Bibliothek schicken, macht 5 Minuten. Am freudigen Tag des Erscheinens Ihrer Arbeit das Autoren-pdf der Bibliothek zuschicken, macht 5 Minuten. Zusammen gerechnet sind wir bei 12 Minuten Extraarbeit. Wenn es einfacher gehen könnte, sagen Sie es bitte uns. Wir sind für alles gern ansprechbar.

Wird es einmal den "goldenen Weg" am HZB geben?

Der "goldene Weg" des Open Access meint die Veröffentlichung in einem Journal, das offen zugänglich ist, also nicht über eine Subskription bzw. einen Lizenzvertrag, wie ihn sonst die Bibliothek für Sie abschließt. Es gibt solche Open Access Zeitschriften, etwa das New Journal of Physics. In der Hochenergie-Physik-Gemeinschaft und in den Geowissenschaften haben sich bereits hochangesehene Open-Access-Zeitschriften etabliert. Ansonsten bevorzugen die meisten Autoren die Freiheit der Veröffentlichung in den ihnen vertrauten Zeitschriften, die über den Impact das höchste Renommee versprechen.

Ich habe gehört, dass auch Open-Access-Zeitschriften nicht umsonst sein können

Eine effektive Editoren-Tätigkeit kann nicht umsonst sein. Auch die Tätigkeit der Gutachter ist schließlich nicht umsonst, das bezahlen die Institute der Gutachter mit den Gehältern oder mit der Besoldung der Gutachter.

Geschäftsmodelle für Zeitschriften des Goldenen Wegs sind derzeit in der Erprobung. Das Beispiel der Hochenergie-Physik zeigt eine Möglichkeit: die Umleitung von Mitteln für die Subskription zu Mitteln für page charges. Das funktioniert aber in diesem Falle nur, wenn alle sich einig sind: alle zahlen page charges und dann braucht es keine Subskiption mehr. Doppelt zahlen gilt nicht.

Manche Zeitschriften lassen sich den Offenen Zugang bezahlen und das ist sehr teuer.

Ja, das ist insbesondere sehr teuer, weil die Subskription bzw. der bezahlte Zugang zur Zeitschrift ja weiter bestehen muss, solange die nicht insgesamt Open Access ist. Da bezahlen die, die für Open Access bezahlen, tatsächlich doppelt.

Was könnte denn eine Veröffentlichung nach dem Goldenen Weg kosten?

Da gehen die Abschätzungen gegenwärtig noch weit auseinander. Sehr optimistische Werte liegen bei 300 Euro pro Artikel, wenn das System eingeführt und optimiert ist. Realistischer sind aus gegenwärtiger Sicht etwa doppelt so große Werte.

Nicht ganz ernst nehmen muss man "Mondpreise", die jetzt von Verlagen gefordert werden.

Legt man die Veröffentlichungen des HZB in einem Jahr zugrunde und legt die Subskriptionskosten im HZB auf die gleichmäßig um, so kommt man auf etwa 800 Euro pro Veröffentlichung.

Open Access nach dem Goldenen Weg kann nicht "umsonst" sein. Aber der Zugang zu Veröffentlichungen müsste preiswerter sein als gegenwärtig, denn es fielen Ausgaben weg, die jetzt für Marketing und Vertrieb vorhanden sind, nicht zu sprechen von den erwirtschafteten Gewinnen im gegenwärtigen System.

Es geht also gar nicht primär um Geld beim Thema Open Access?

Es geht primär um Open Access, um den offenen Zugang zu Veröffentlichungen aus staatliche finanzierter Forschung. Es geht um die Förderung von Forschung: jeder soll auf Ergebnisse Zugriff haben und die Forschung voranbringen können, im Interesse aller.

Um Geld geht es auch, wenn das einer nämlich nicht hat, um sich den Zugang über Zeitschriften kaufen zu können. Dass aber die, die sich gegenwärtig den Zugang noch kaufen können, durch Open Access sparen, kann nur ein Nebeneffekt sein, wenn auch ein angenehmer.