Von der Wasserkraft zur Sonnenenergie

Sonya Calnan aus Uganda will Low-Tech-Methoden für Dünnschichtsolarzellen entwickeln


Dr. Sonya Calnan

Sonya Calnan hat einen Traum: Solarmodule, die mit Low-Tech-Methoden hergestellt werden und günstig sauberen Strom erzeugen. Die promovierte Elektroingenieurin arbeitet daran, diese Ziele zu erreichen: Als eine der ersten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen bei Rutger Schlatmann hat sie seit 2009 das PVcomB mit aufgebaut. Die Einrichtung wurde vom HZB, von Berliner Universitäten und weiteren Partnereinrichtungen gegründet, um eine Brücke zwischen Forschung und Industrie zu schlagen.

Calnan stammt aus Uganda, wo Strom vor allem durch Wasserkraft erzeugt wird. Sie studierte Elektrotechnik an der Makerere-Universität in Kampala und arbeitete nach dem Bachelor 1999 bei einem Stromversorgungsunternehmen. Dabei begann sie, sich für Solarenergie zu interessieren. Denn die Wasserkraftwerke Ugandas können den wachsenden Bedarf längst nicht mehr zuverlässig decken, in der Trockenzeit kommt es zu Stromausfällen. Sonne dagegen steht reichlich zur Verfügung.

Dass sie sich für die FH Aachen in Deutschland entschied, um ihren Master in Energy Systems zu machen, lag an zwei Faktoren: am guten Ruf der deutschen Ingenieure und daran, dass deutsche Hochschulen – anders als britische oder amerikanische – kaum Studiengebühren erheben. „Als ich im März 2002 nach Aachen kam, war das ein Schock. Es war wirklich sehr kalt“, erinnert sie sich heute und lacht. Doch sie lebte sich ein, besuchte einen Sprachkurs und lernte schnell Deutsch. „Ich lese mittlerweile fast nur noch deutsche Bücher aus der Bibliothek“, erzählt sie und zieht einen Roman aus ihrer Tasche. Im Masterstudium arbeitete sie am Forschungszentrum Jülich in der Photovoltaik-Gruppe um Bernd Rech, zunächst im Rahmen eines Semesterpraktikums. Dabei entdeckte sie die Forschung als Perspektive für ihre berufliche Zukunft und promovierte an der Loughborough University in England.

Es war Bernd Rech, inzwischen aus Jülich ans HZB gekommen, der ihr gegen Ende der Promotion den Tipp gab, sich am PVcomB zu bewerben. Dort sitzt sie heute an der Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie, berät Unternehmen, informiert sie über interessante Forschungsergebnisse und forscht selbst: „Mein Schwerpunkt sind transparente Kontakte aus Zinnoxid oder Zinkoxid, damit mehr Licht in die Dünnschicht-Silizium-Solarzellen fallen kann“, erklärt sie. Es ist schwierig, gleichzeitig sowohl die Leitfähigkeit als auch die Transparenz zu optimieren. „Wir arbeiten mit unterschiedlichen Methoden, um diese Kontaktschichten aufzubringen“, sagt sie und zeigt einige Proben mit rauen oder glatten Oberflächen.

„Ich finde es sehr wichtig, auch Low-Tech-Depositionsverfahren zu entwickeln. Deswegen untersuche ich nun auch elektrochemische Nassverfahren in der Gruppe von Martha Lux-Steiner am HZB. Man braucht kein Vakuum und keinen richtigen Reinraum, sodass es viel einfacher und damit auch billiger wird, Solarzellen herzustellen.“

Autorin: Antonia Rötger


Die Forscherin will Solarstrom für alle
möglich machen.