Bitte keinen roten Knopf!

Rutger Schlatmann ist Physiker und Manager. Erfolg ist für ihn Teamarbeit.

Rutger Schlatmann: „Unsere Truppe hat unglaublich viel geleistet.“

Rutger Schlatmanns Büro wirkt irgendwie holländisch. Dabei bedient es gar nicht das Klischeeblau bemalter Wandfliesen mit Windmühlen und Frachtenseglern. Der Physiker arbeitet in einem modernen, funktional eingerichteten Raum. Eine große Fensterfront nach Südenlässt viel Licht herein. In den Schränken stehen neben den Büchern Bilder, die Schlatmanns Kinder gemalt haben. Was heraussticht sind die Sitze und Lehnen der Stühle: Sie haben ein kräftiges Orange – die Farbe der niederländischen Fußballnationalmannschaft.

Trotz dieser ungewöhnlichen Farbgebung: Heimweh plagt Rutger Schlatmann nicht. Vor etwas mehr als drei Jahren ist er mit seiner Familie aus den Niederlanden nach Berlin gekommen. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt der Leiter des PVcomB, des „Kompetenzzentrum Dünnschicht- und Nanotechnologie für Photovoltaik Berlin“. Einen Kulturschock habe es nicht gegeben – dazu sei die Art zu leben und zu arbeiten in den Niederlanden und in Deutschland einfach zu ähnlich. Unterschiede sieht Schlatmann eher im Detail: „In Holland ist es wichtig, dass die Dinge zügig und mit angemessenem Aufwand erledigt werden. In Deutschland klären die Menschen ersteinmal, ob man dem Problem wirklich auf die richtige Art und Weise auf den Leib rückt. “Also Pragmatismus gegen Prinzipienreiterei? Bei dieser Zuspitzung muss Rutger Schlatmann lachen. Schwarz-Weißmalerei ist nun wirklich nicht sein Fall: Ein Land könne man nicht pauschal beurteilen – aber gewisse Tendenzen in die beiden Richtungen seien schon festzustellen. Und dafür hat Schlatmann auch eine plausible Erklärung: „Holland ist eine Handelsnation. Da zählt der Geschäftsabschluss.“Deutschland hingegen habe eine lange Traditionbei der Technologieentwicklung, etwa im Maschinenbau. „Die optimale Funktion steht hier im Vordergrund.“

„Die wissenschaftlichen Erfolge machen mich stolz“

Er selbst, der Physiker Schlatmann, hat mit Funktionalität überhaupt kein Problem: „Im PVcomB wollen wir die Photovoltaik voranbringen. Die Module sollen immer effizienter Sonnenlicht in Strom umwandeln. Ihre Herstellung soll schneller und kostengünstiger werden. Dafür brauchen wir selbstverständlich eine strukturierte und wissenschaftlich fundierte Herangehensweise.“ Dass er die hat, davon konnte Schlatmann in der Vergangenheit viele überzeugen. Denn er, der Manager, ist dafür verantwortlich, dass das PVcomB gut vernetzt ist, Fördergelder bekommt und wachsen kann.Überzeugungsarbeit, wissenschaftlicher Diskurs und Strukturierung von Arbeitsprozessen sind Schlatmanns Tagesgeschäft. Das betreibt er mit großem Erfolg. Nach drei Jahren ist das PVcomB planmäßig aufgebaut: „Jetzt im Winter ist es noch einmal richtig hektisch, weil wir eine Laserstrukturierungs- und zwei große Sputteranlagen für unsere beiden Fertigungslinien bekommen“, sagt Schlatmann. Dann seien aber sämtliche Labore, die vor drei Jahren noch völlig leer waren, komplett eingerichtet. Zu verdanken sei dies, so Schlatmann, vor allem dem Team des PVcomB: „Unsere Truppe hat in den vergangenen drei Jahren unglaublich viel geleistet, um das PVcomB zu dem zu machen, was es heute ist. “Das zeigt nicht nur die Ausstattung – die es natürlich nicht von der Stange gibt, sondern die von den PVcomB-Mitarbeitern sorgfältig geplant und dann von Lieferanten individuell hergestellt wird. „Auch die wissenschaftlichen Ergebnisse des PVcomB machen mich sehr stolz“, so Schlatmann, „gerade weil wir in der Aufbauphase noch viel improvisieren mussten.“ Die Zeit des Improvisierens ist am PVcomB endgültig vorbei. Genauso wie für Rutger Schlatmann die Zeit, als er noch selbst an den Apparaturen gestanden und geforscht hat. Das bedauert er. „Als Leiter des PVcomB muss ich natürlich immer auf dem Laufenden bleiben – schon, um die Geschicke des Kompetenzzentrums in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Aber zu seinem Selbstverständnis als Direktor gehört es, seinen Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen – und ihnen im täglichen Geschäft nicht in die Quere zu kommen: „Es gibt den bösen Witz vom roten Knopf in manchen Laboren“, lacht Schlatmann. „Den dürfen die Chefs ruhig drücken, weil er nicht angeschlossen ist. Solche Knöpfe will ich nicht.“

Autor: Hannes Schlender (März 2012)