Catalina Jiménez: Eine Argentinierin unterwegs fürs HZB

Catalina Jiménez

Vom Schreibtisch am HZB aus in die ganze Welt kommunizieren: Das ist der Job, für den sich die Argentinierin Catalina Jiménez begeistert. © HZB/M. Setzpfand

Catalina Jiménez ist im Büro der Geschäftsführung fürs Internationale zuständig.

Gewöhnlich ist der Lebenslauf von Catalina Jiménez sicher nicht. Die Argentinierin lebt seit mehr als zehn Jahren in Berlin, hat zwei Kinder, arbeitete als Wissenschaftlerin und ist inzwischen »International Officer« für das HZB.

Catalina Jiménez hat schon so einige Flugkilometer hinter sich. Zuletzt begleitete sie die Geschäftsführung im Oktober nach Sydney an die Australian Nuclear Science and Technology Organisation (ANSTO) und nach Shanghai an die Synchrotron Research Facility (SSRF) und an das Proton and Heavy Ion Center (SPHIC). Einige Monate zuvor ging es nach Tel Aviv und im Februar steht Moskau auf ihrem Terminplan. Seit April 2015 arbeitet die Argentinierin für das Helmholtz-Zentrum Berlin im Büro der Geschäftsführung als »International Officer«.

Ihre Aufgabe: die Internationalität des HZB, insbesondere die internationale Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, stärken und eine Willkommenskultur für internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am HZB etablieren. Bis sie die Frau fürs Internationale beim HZB wurde, hat die 42-Jährige auf vielen unterschiedlichen Stellen gearbeitet. »Ich habe lange als Wissenschaftlerin gearbeitet«, erzählt Catalina Jiménez. Sie stammt aus Buenos Aires und promovierte gerade in Patagonien, als sie die Chance bekam, nach Deutschland zu kommen. Sie erhielt ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für ein halbes Jahr und kam ans HZB und an die Technische Universität Berlin. Das war im Jahr 2005 und kein einfacher Schritt für Catalina Jiménez, denn damals war sie alleinerziehende Mutter einer Zwölfjährigen. »Weil ich eigentlich nur sechs Monate in Berlin bleiben wollte, wohnte meine Tochter derweil bei der Oma.« Doch dann kam ein Folgeangebot: Sie erhielt die Möglichkeit, eine Promotion in Ingenieurswissenschaften über Metallschäume zu schreiben. Sie entschied sich dafür und holte ihre Tochter nach. »Es ist ein Glück, in Berlin gelandet zu sein, denn hier gibt es staatliche Europa-Schulen«, erzählt sie rückblickend.

Nach der Promotion sollte es zurück in die Heimat gehen. Aber dann fragte man sie, ob sie sich an einem Projekt der European Space Agencybeteiligen wollte, um Experimente mit Schwerelosigkeit durchzuführen. Später wurde sie am HZB Beamline-Scientist an der EDDI-Beamline und in den Wissenschaftlich-Technischen Rat des HZB gewählt. Sie lernte ihren Partner kennen, einen Bauingenieur aus Stuttgart. Beruflich und privat in Deutschland angekommen, entschied sie sich, Deutsch zu lernen. »Meine Deutschlehrerin hat mir eine andere Welt von Berlin gezeigt: Wir haben Literatur gelesen, sind auf Ausstellungen und in Lesungen gegangen.« Das genießt sie. Heute sagt die Südamerikanerin: »Berlin ist mein Zuhause.«

Während Catalina Jiménez als Forscherin arbeitet und Mitglied des Wissenschaftlich-Technischen Rats ist, bekommt sie ein zweites Kind. Eine kleine Tochter, die heute dreieinhalb Jahre alt ist und in einen deutsch-spanischen Kindergarten geht. »Dann stellte sich wieder die Frage: Wie geht es weiter? Mir war klar: Entweder hänge ich mich rein oder ich bin komplett raus.« Deshalb geht Catalina Jiménez mit ihrem eineinhalb Monate alten Baby zu einer wichtigen Tagung. Später kommt sie nach der Elternzeit in eine Vollzeitstelle zurück und erhält das Folgeangebot als »International Officer«. Sie soll zunächst in der Arbeitsgruppe »Internationalisierung« in der Geschäftsführung an Strategiepapieren für die Perspektivkommission mitarbeiten.

Nach einer Testphase und einer Fortbildung im Wissenschaftsmanagement erkennt Catalina Jiménez: Die strategische Arbeit liegt ihr. »Wir sind stärker, wenn wir uns international vernetzen «, ist sie überzeugt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 46 Ländern, die am HZB arbeiten, sind ein großer Gewinn. Ihre heutige Aufgabe hat ihr auch neue Erkenntnisse gebracht: »In der Wissenschaft ist man ganz fokussiert, im Wissenschaftsmanagement braucht man einen breiteren Blick.« Mit diesem Blick arbeitet sie nun an der Seite der Geschäftsführung daran, das HZB in Deutschland und in der Welt noch sichtbarer zu machen. Und diese Arbeit zahlt sich aus: Mit der Australian Nuclear Science and Technology Organisation (ANSTO) gibt es nun eine erweiterte Kooperation in der Energie-Material-Forschung. Dabei wollen Forscherinnen und Forscher beider Einrichtungen stärker miteinander zusammenarbeiten und sollen wechselseitig Zugang zu den Instrumenten an den Großgeräten bekommen.

Catalina Jiménez nimmt auch an gemeinsamen Delegationsreisen mit dem Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft teil, die dazu beitragen, die internationalen Kontakte auszubauen. Künftig will die Forschungsgemeinschaft unter anderem die Zusammenarbeit mit Einrichtungen im asiatisch-pazifischen Raum stärken.

Wenn sie Zeit hat, fliegt Catalina Jiménez auch privat, zum Beispiel zu Besuch in ihre Heimat Argentinien. Einmal im Jahr kommt ihre Mutter für drei Monate nach Berlin. Und die ältere Tochter studiert hier mittlerweile Architektur. Bis auf ihre Verwandten und Freunde vermisst sie nicht viel in Deutschland. Mate-Tee – das Nationalgetränk Argentiniens – bekommt man schließlich auch hier.

 

Von Anja Mia Neumann