Was wird für die Sicherheit getan?

Die möglichen Strahlengefahren der Kerntechnik waren bereits zu Beginn ihrer Nutzung in Deutschland bekannt. Sehr früh wurde daher ein Sicherheitsnetz aus Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien geknüpft. Dieses Netz hat zu einem Sicherheits-Standard bei kerntechnischen Anlagen geführt, der, im Vergleich mit konventionellen Anlagen, außerordentlich hoch ist. Stützpfeiler eines sicheren Betriebes sind heute:

  • aktive Schutzeinrichtungen zur Kontrolle, Überwachung, Steuerung und Regelung,
  • passive Schutzeinrichtungen in der Konzeption der Anlage, wie zum Beispiel das Prinzip der Mehrfach-Barrieren,
  • organisatorische Maßnahmen des Betreibers einer kerntechnischen Anlage,
  • Maßnahmen der Aufsichtsbehörden, die auf einem erprobten Netz aus Richtlinien und Verordnungen basieren.

Aktive Schutzeinrichtungen

Das aktive »Reaktorschutz-System« tritt bei Zwischenfällen in Aktion. Es muß eine Reihe von grundsätzlichen Forderungen erfüllen:

  1. Schutzaktionen müssen eindeutig sicherheitsgerichtet sein, das heißt, bei Fehlauslösungen dürfen andere Schutzaktionen nicht behindert werden.
  2. Zeigt ein Signal an, daß eine Schutzaktion notwendig ist, so darf dies in keinem Fall behindert werden, zum Beispiel durch laufende Prüf- und Wartungsarbeiten am Schutzsystem und einen möglicherweise gleichzeitigen Ausfall von Sicherheitskomponenten. Im allgemeinen wird dies durch das Vorhandensein von drei gleichen, voneinander unabhängigen Geräte-Gruppen gewährleistet.
  3. Fehler müssen sich selbst melden.
  4. Eingebaut werden dürfen nur nach einem entsprechenden Eignungstest von der Genehmigungsbehörde gebilligte Geräte. Dieser Test berücksichtigt die ungünstigsten Betriebsbedingungen, unter anderem im Hinblick auf die Betriebstemperatur, zu hohe oder zu niedrige elektrische Spannung, Feuchtigkeit sowie mechanische Einflüsse.

Die aktiven Schutzsysteme sind weitgehend automatisiert. Eventuell nötig werdende Eingriffe von Hand dürfen frühestens 30 Minuten nach einem Störfall erforderlich sein. Damit bleibt Zeit genug, in Ruhe zu entscheiden und die Ursache der Störung zu ermitteln.

Passive Schutzeinrichtungen

Ein Beispiel für die passiven Schutzeinrichtungen in der Kerntechnik ist das »Mehrfach-Barrieren-Prinzip« für die Rückhaltung radioaktiver Spaltprodukte. Im Falle des HZB-Forschungsreaktors bildet die erste Barriere der Kernbrennstoff selbst, die zweite die den Kernbrennstoff umgebende Hülle, die dritte das Wasser und die letzte schließlich die Reaktorhalle.

Ein anderes Beispiel ist die Abfuhr der Wärme, die auch nach einer Abschaltung des HZB-Forschungsreaktors noch produziert wird: die Wärmeabfuhr geschieht durch die Naturkonvektion, die selbständige Zirkulation des Wassers im Reaktorbecken - eine Pumpe ist nicht nötig.

Auch das Abschaltsystem des BER II bietet passiven Schutz: bei einer Betriebsstörung fallen die Kontrollstäbe allein durch Schwerkraft in den Reaktorkern und setzen damit den Reaktor außer Betrieb. Passive Schutzeinrichtungen gewährleisten einen sicheren Betrieb, ohne daß irgendwelche Anlagen oder Apparate eingeschaltet werden müssen.

Die aktiven und passiven Schutzeinrichtungen berücksichtigen ein Höchstmaß aller technischen Möglichkeiten, um Störfälle zu verhindern und vor Schäden zu schützen.

Maßnahmen des Betreibers

Der Betreiber der Anlage - im vorliegenden Falle das Helmholtz-Zentrum Berlin - muß nachweisen, wie er die Sicherheit gewährleistet. So dürfen zum Beispiel für den Bau einer Anlage nur solche Teile verwendet werden, die von einem Gutachter geprüft wurden. Auch während des späteren Betriebs muß die Anlage regelmäßig inspiziert werden. Dies geschieht unter Beteiligung des TÜV. Schließlich muß das Betriebspersonal die entsprechenden Fachkenntnisse haben. Auch dies ist der Aufsichtsbehörde nachzuweisen.

Maßnahmen der Aufsichtsbehörden

Soll eine kerntechnische Anlage errichtet oder verändert werden, so ist zuvor der zuständigen Genehmigungsbehörde ein Sicherheitsbericht vorzulegen. In diesem Bericht müssen alle betrieblichen Abläufe und die Beherrschung aller Störungen genau erläutert sein. Die Genehmigungsbehörde läßt den Sicherheitsbericht von unabhängigen Fachgremien - zum Beispiel dem Technischen Überwachungsverein - begutachten. Beurteilungskriterien sind der Stand von Wissenschaft und Technik sowie die kerntechnischen Regeln und Verordnungen. Auf der Grundlage dieser Fachgutachten erfolgt die Entscheidung der Aufsichtsbehörde, wobei im allgemeinen bei der Genehmigung Auflagen gemacht werden.
Mehrmals im Jahr überprüfen Beamte der Europäischen Gemeinschaft und der Internationalen Atomenergie-Behörde den Bestand an Kernbrennstoffen. Diese Kontrollen stellen sicher, daß keine Kernbrennstoffe zu Zwecken abgezweigt werden, die der ausschließlich friedlichen Nutzung des Reaktors widersprechen. Nicht zuletzt kontrolliert die Abteilung Strahlenschutz des HZB laufend, ob radioaktive Stoffe an die Umgebung abgegeben werden und welcher Strahlenbelastung die Arbeitnehmer ausgesetzt sind. All diese Faktoren gewährleisten einen sicheren Betrieb des Reaktors. Die Strahlenbelastung der unmittelbaren Umgebung durch den Reaktorbetrieb liegt unter 10 Mikrosievert  pro Jahr. Das ist nur ein Bruchteil der natürlichen Strahlenbelastung, die in Berlin pro Jahr zwischen 1 und 2 Millisievert beträgt.
Bei der Planung wurden alle denkbaren technischen Störungen analysiert und in der Auslegung der Anlage berücksichtigt. Selbst bei dem nicht zu erwartenden Fall des Eintretens eines solchen sogenannten Auslegungs-Störfalles bleibt die Strahlenbelastung in der Umgebung deutlich unterhalb der Grenzen, die in der Strahlenschutzverordnung festgelegt sind.

Trotz des hohen Aufwandes ist jedoch eine absolute Sicherheit nicht erreichbar. Dies gilt für jede technische Anlage. Die im Vergleich mit einem Kernkraftwerk geringe Größe des HZB-Forschungsreaktors führt zu einem entsprechend geringen radioaktiven Inventar. Auch dadurch ist das verbleibende Risiko äußerst gering und liegt erheblich unter anderen Risiken, die in unserer Gesellschaft allgemein akzeptiert werden.

Maßnahmen der Aufsichtsorgane und der Betreiber kerntechnischer Anlagen sind:

  • Qualitätssicherung der Komponenten
  • Fachkundetraining des Personals
  • Regelmäßig wiederkehrende Prüfungen, zum Beispiel durch den TÜV
  • Überwachung von Personen, Gebäuden und Umgebung auf Radioaktivität durch unabhängige Strahlenschutz-Fachkräfte.

Notfallschutz

Die Behörden der Bundesländer Berlin und Brandenburg haben für den Forschungsreaktor als ergänzende Vorsorgemaßnahme auch einen Notfallschutzplan erstellt. In einer zusammenfassenden Information für die Bevölkerung in der Umgebung des Forschungsreaktors sind die wesentlichen Maßnahmen dieser Planungen zum Notfallschutz dargestellt. 

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