19.04.2018

Evaluation durch internationales Expertengremium: HZB geht mit Rückenwind in die Zukunft und wird aufgefordert, BESSY III jetzt zügig zu planen

Die Gutachterinnen und Gutachter für den Forschungsbereich "Materie" bei ihrem Besuch am HZB.

Foto: HZB/J. Bierbaum

Luftaufnahme BESSY II

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begutachtung aller Helmholtz-Forschungszentren hat das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) eine exzellente Bewertung erhalten. Mit dieser ist die Basis gelegt für die zukünftige Finanzierung des HZB.  

Gleich zweimal waren Anfang des Jahres hochkarätig besetzte Gremien von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jeweils eine Woche lang am HZB. Sie haben bewertet, welche Beiträge das Zentrum zu den Helmholtz-Forschungsprogrammen in den jeweiligen Forschungsbereichen „Materie“ und „Energie“ leistet. Nun liegen die schriftlichen Bewertungen vor. Ganz besonders ist darin der Team-Spirit aller beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Forschungszentrums hervorgehoben worden.

Das HZB und die Helmholtz-Gemeinschaft haben visionäre Entscheidungen getroffen, heißt es in dem Bericht. Sowohl bei der Infrastruktur als auch bei der Rekrutierung von Personen seien die richtigen Weichen gestellt worden. Auf allen Ebenen könne das HZB auf hoch kompetente, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen.

Alle Forschungsprogramme des HZB haben eine hervorragende Bewertung bekommen. Als führend wird der HZB-Beitrag zum Programm MML (Von Materie zu Materialien und Leben) mit Schwerpunkt der Nutzung von Photonen eingeschätzt, in dem alle beteiligten HZB-Gruppen die Bestnoten „Outstanding“ oder „Exzellent“ erhielten. Ebenso erfolgreich wurden die Programme Erneuerbare Energien sowie Zukünftige Informationstechnologien sowie die zum Teil einzigartige Instrumentierung am Synchrotron BESSY II und dem Forschungsreaktor BER II eingeschätzt.

Dem HZB wird bescheinigt, eine der Top-Institutionen in der weltweiten Energie- und Materialforschung zu sein. Außerdem erhielt das HZB Rückenwind für den Aufbau von BESSY III, den Nachfolger des derzeitigen Synchrotrons BESSY II, das derzeit von etwa 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jährlich für Experimente genutzt wird.

Das Konzept des variablen Pulslängen-Speicherrings (VSR) kann die nächste Generation von Speicherringen revolutionieren

BESSY III müsse jetzt zügig geplant und sein Aufbau vorangetrieben werden, ermunterten die Gutachter das Zentrum. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Expertise des HZB bei der Erzeugung ultra-kurzer Lichtpulse im internationalen Vergleich führend sei. Das bereits gestartete Upgrade-Programm von BESSY II zu BESSY VSR, das eine Vorstufe zu BESSY III darstellt, wird ausdrücklich gelobt und unterstützt. Um BESSY VSR optimal zu installieren, müssten allerdings zusätzliche Mittel investiert und alle Ressourcen optimal genutzt werden, so die Empfehlung der Gutachterkommission.

Wenn das VSR-Konzept erfolgreich umgesetzt werde, habe es das Potenzial, die nächste Generation von Speicherringen zu revolutionieren und ihr Design maßgeblich zu bestimmen, so die Gutachter. Zugleich wird die Entwicklung einer neuen Generation von enthusiastischen, kompetenten Beschleunigerphysikern gelobt, die das HZB in seinem Umfeld und im Zusammenhang mit den BESSY VSR-Aktivitäten hervorgebracht habe.

Synergien aufgebaut zwischen Solarer Brennstoff- und Fotovoltaik-Forschung

Im Forschungsbereich Energie zeigte sich das Panel vor allem beeindruckt davon, wie es dem HZB gelungen ist, Synergien zwischen seiner etablierten Fotovoltaik-Forschung und der neu aufgebauten Forschung an solaren Brennstoffen zu schaffen. Die Forschung des HZB an neuen Perowskit-Materialien sei ein Highlight und besonders vielversprechend, so das Panel. Ebenso wird die Entwicklung neuer Metalloxide für solare Brennstoffe als grundlegend bezeichnet. Bezüglich der Forschung an Halbleiter-Photoelektroden für die Erzeugung solarer Brennstoffe bescheinigten die Gutachter dem HZB, eine führende Position innezuhaben.

Außerdem liefere das Zentrum hervorragende wissenschaftliche Ergebnisse in aufstrebenden, schnell wachsenden neuen Forschungsgebieten wie etwa topologischen Isolatoren und anderen exotischen Quantenmaterialien.

Hierfür unterstrich das Panel zudem die Bedeutung, die sowohl BESSY II als auch die Neutronenquelle BER II für die HZB-Forschung im Bewertungszeitraum hatten. Vor allem das an BESSY II errichtete Energy Materials In Situ Laboratory, EMIL, biete für viele Forschungsfragen der Energieforschung neuartige Möglichkeiten, die zum Teil einmalig in der Welt sind. Dazu gehören zum Beispiel in operando-Untersuchungen an Grenzflächen von Materialien.

Die hervorragenden Instrumente des BER II, so die Empfehlung der Gutachter, sollten nach dessen planmäßiger Abschaltung Ende 2019 unbedingt erhalten bleiben und an andere Neutronenquellen transferiert werden.

Prof. Dr. Bernd Rech, kommissarischer wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZB, freut sich über die positiven Evaluierungsergebnisse. „Die Bewertung zeigt, dass wir die richtigen Themen angepackt haben und das HZB eine Top-Adresse in der Energie- und Materialforschung ist. Besonders freut es mich, dass wir so große Unterstützung für den Aufbau von BESSY III bekommen haben.“ 


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IH